Diskussion einzelner Themen
Mitunter bilden sich an Gewittertagen Wolkenformationen, die leicht als Tornado fehlinterpretiert werden können. Auf dieser Seite werden solche Fälle vorgestellt und erklärt. Wenn Sie selbst solche trügerischen Fälle fotografiert haben, dann senden Sie uns davon bitte Bilder TorDACH Webmaster.
Abb. 1:
Gilching bei München, 20. Juni 2003 (a) 1053, (b) 1055,
(c) 1058 UTC. Copyright: N. Dotzek, 2003.
Die Abbn. 1a,b scheinen eindeutige Aufnahmen eines Wolkentrichters (funnel cloud) unterhalb einer wall cloud zu sein. Erst die Abb. 1c offenbart dann, dass es sich lediglich um einen Wolkenkragen an der Vorderseite eines Niederschlags-outflows handelt: Hier wird beim Fortschreiten des Cumulonimbus feuchtwarme Luft aus Bodennähe gehoben, diese hat ein deutlich niedrigeres Kondensationsniveau. Es lag lediglich an der Perspektive des Fotografen, dass die Fotos einen Wolkentrichter zu belegen schienen.
Abb. 2:
Ohne Ort, dd. Mai 2004.
Copyright: J. Moschko, 2004
Die Abb. 2 zeigt eine typische Struktur an der Basis turbulenter konvektiver Wolken, die wie der Beginn eines Wolkentrichters aussieht. Es handelte sich aber um eine kurzlebige Erscheinung ohne Rotation.
Abb. 3:
Großer Arber, 1. Juni 2004.
Copyright: C. Hinz, 2004
Die Abb. 3 zeigt einen weiter entwickelten Fall als Abb. 2. Dieser ausgedehnte, aber ebenfalls kurzlebige und rotationslose Wolkenfetzen kann - bei ähnlicher Perspektive wie in Abb. 1 - leicht mit einem gut ausgebildeten Wolkentrichter verwechselt werden.
Abb. 4:
Munderkingen, 2. Juni 2004.
Copyright: S. Stökler,
www.gewitternews.de, 2004.
Die Abbn. 4a-c zeigen scheinbar die Ausbildung eines stark geneigten Tornadoschlauchs an. Diese Entwicklung sorgte bei mehreren Augenzeugen für einiges Aufsehen. Der schnell aufsteigende und sich verdichtende Cu frac über einem kleinen Wald nördlich der B311 bei Munderkingen zeigte jedoch keinerlei Anzeichen von Rotation, so dass es sich dabei mit Sicherheit lediglich um kleinrämiges Aufsteigen besonders feuchter bodennaher Luft und anschließende Kondensation handelte.
Abb. 5:
Bad Soden, 16. Juni 2004, 0320 UTC.
Copyright: D. Gräff, 2004
Die Abb. 5 zeigt einen Kondensstreifen bei Sonnenaufgang. Durch die ungewöhnliche Perspektive scheint dieser fast genau senkrecht zu stehen, sich nach unten hin zu verjüngen und mit den Wolken im Vordergrund in Verbindung zu stehen.
Abb. 6:
Sauerland, 19. Juni 2004.
Copyright: P. Niesczeri,
www.sauerlandwetter.de, 2004.
Die Abbn. 6a-e zeigen - nein, keinen signifikanten Tornado - sondern eine sehr interessante Wolkenstruktur über hügeligem Gelände, die sich vor einer aus NW heranziehenden Kaltfront bildete. Es gab keine Rotation und kein Gewitter in der Nähe. Was genau dieses beeindruckende Phänomen ausgelöst hat, konnte nicht ganz geklärt werden. Evtl. war es sehr feuchte Luft, die aus einem Talgrund in einem schmalen Aufwind angehoben wurde?
Abb. 7:
Gilching bei München, 5. Juli 2005 (a) 1841 UTC und (b)
1856 UTC. Copyright: N. Dotzek, 2005.
Die Abbn. 7a,b scheinen eindeutige Aufnahmen eines Wolkentrichters (funnel cloud) unterhalb einer wall cloud zu sein. Aber wie in Abb. 1 handelte es sich lediglich um einen Wolkenkragen an der Vorderseite eines Niederschlags-outflows: Die zugehörige Böenfront erreichte ca. 1915 UTC den Fotostandort. Es lag lediglich an der Perspektive des Fotografen, dass die Fotos eine wall cloud und einen Wolkentrichter zu belegen schienen.
Zum Abschluss nochmals die Bitte, ähnliche Bilder solcher "falscher" Tornados zur Verwendung auf dieser Seite an den TorDACH Webmaster einzusenden. Danke!